Mit dem Inkrafttreten des Krypto-Steuer-Transparenzgesetzes (KStTG), das die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie DAC8 (Richtlinie (EU) 2023/2226) in Deutschland darstellt, ist die Ära der Transaktionsanonymität offiziell beendet. Das KStTG wurde am 19. Dezember 2025 vom Bundesrat verabschiedet und trat am 1. Januar 2026 in Kraft.
Infolgedessen erfassen und übermitteln in der EU ansässige Kryptobörsen Transaktionsdaten ihrer identifizierten Nutzer direkt an die Steuerbehörden. Dies hat teils verheerende Auswirkung für Opfer von Kryptobetrug. Während die aus dem Kryptobetrug resultierenden Kontosperrungen den Opfern oft den Zugang zu Beweismitteln für zivilrechtliche Schritte verwehren, setzen die übermittelten Transaktionsdaten die Opfer von Kryptobetrug gleichzeitig dem Risiko aus, der Steuerhinterziehung oder gar der Geldwäsche verdächtigt zu werden. Unter diesen Umständen könnte die von den Steuerbehörden als Schutz angedachte Transparenz für Krypto-Steuern letztlich ein Hindernis für die Opfer von Kryptobetrug sein und einem nicht unerheblichen rechtlichen Risiko für die unschuldige Partei gleichkommen.
Automatisierte Warnsysteme
Für Steuerbehörden stellt eine „Zero-Balance-Wallet“ – eine vollständig geleerte Krypto-Wallet – nach dem Erwerb einer beachtlichen Menge an Kryptowerten eine erhebliche Diskrepanz dar. Wenn Kryptowerte ohne einen registrierten Verkauf verschwinden, weisen die Compliance-Systeme der Steuerbehörden derartige “Verluste” nun der Kategorie „Warnungen“ zu, da Transaktionsdaten nicht kontextualisiert werden: Ob es sich um einen Diebstahl handelt oder um eine bewusst nicht gemeldete Transaktion kann das Compliance-System nicht erkennen. Dadurch verlagert sich die Beweislast auf die Opfer von Kryptobetrug. Ohne eine professionelle forensische Spur, um Diebstahl zu dokumentieren, könnten die Behörden die fehlenden Kryptowerte als steuerpflichtiges Einkommen oder als Versuch der Steuerhinterziehung werten.
Viele Opfer, die GANN Labs unterstützt, sind keine erfahrenen Krypto-Investoren. Sie werden durch verschiedene Formen des Kryptobetrugs in das Krypto-Ökosystem gelockt. Opfer von Kryptobetrug kaufen in der Regel Kryptowerte an einer lizenzierten Kryptobörse (z. B. Coinbase oder Kraken), nur um sie dann durch u.a. Liebesbetrug, fiktive Investitionsversprechen oder direkte Transaktionen an die von den Betrügern kontrollierten Krypto-Wallets zu verlieren. GANN Labs kooperiert eng mit auf Steuer- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Anwaltskanzleien, um Opfer von Kryptobetrug sowohl bei der forensischen Dokumentation als auch rechtlich vollumfänglich betreuen zu können.
Das Kernproblem – systemische Unsichtbarkeit
Das Kernproblem ist also, dass die Steuerbehörden den Kauf und den anschließenden Abfluss von Kryptowerten sehen, jedoch nicht den Tathergang. Ohne forensische Dokumentation könnten die Steuerbehörden derartige “Verluste” folgend auslegen:
- als eine versteckte Veräußerung: der Versuch, Kryptowerte in eine nicht gemeldete Wallet zu verschieben.
- als ein steuerpflichtiges Ereignis: einen vermeintlichen „Verkauf” von Kryptowerten, der eine Steuerforderung für Kryptowerte auslöst, die die geschädigte Person nicht mehr besitzt.
- eine inkonsistente Meldung: eine Diskrepanz, die eine automatische Steuerprüfung oder eine strafrechtliche Steuerermittlung auslöst.
Verteidigung des „Erwerbs durch Besitz“
Hier geraten Kryptobetrugs-Opfer ohne forensische Dokumentation in eine Sackgasse. Denn die Steuerbehörden arbeiten nach einer zirkulären Logik: Wenn Kryptowerte nicht verkauft wurden, müssen sie noch im Besitz sein; wenn sie nicht mehr im Besitz sind, müssen sie verkauft worden sein.
Ein Kryptobetrugs-Opfer muss mind. einer der nachstehende Szenarien forensisch dokumentieren, um sich dem teuflischen Zirkel zu entziehen:
- Kontrollverlust: Die Kryptowerte sind nicht mehr im Besitz des Eigentümers.
- Unfreiwillige Übertragung: Die Bewegung der Kryptowerte erfolgte ohne Zustimmung des Eigentümers.
- Fehlende Gegenleistung: Es wurde kein Gegenwert (ROI, Waren oder Dienstleistungen) erbracht.
In einem Compliance-System, das Millionen von Transaktionsdatensätzen verarbeitet, ist eine mündliche Stellungnahme nicht ausreichend. Als Gegenbeweis zu den von den Steuerbehörden automatisierten Warnmeldung kann ausschließlich eine lückenlose forensische Dokumentation dienen.
Proaktive Dokumentation: Das Schutzschild gegenüber den Steuerbehörden
Unter den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen reicht es nicht mehr aus lediglich anzugeben, dass ein Kryptobetrug stattgefunden hat. Der Diebstahl muss forensisch nachgewiesen werden, um die Steuerbehörden zufriedenzustellen, selbst wenn der Betrug bereits Jahre zurückliegt. Um die finanzielle Situation des Kryptobetrugs-Opfers zu schützen, ist eine umfassende forensische Dokumentation – die „Verteidigungsakte“ – zwingend erforderlich. Diese “Verteidigungsakte” sollte zwingend bestehen aus:
- forensischen Rekonstruktionsbericht: Eine fachkundige On-Chain-Analyse, die belegt, dass die Kryptowerte an einen Betrüger oder einen „Mixer” übertragen wurden und nicht an ein privates Konto, das das Kryptobetrugs-Opfer besitzt.
- unveränderlichen Vorfallsprotokollen: Aufbewahrte Kommunikationsaufzeichnungen, Screenshots und Metadaten ab dem Zeitpunkt des Betrugs.
- rechtlichen Begründung: Eine formelle Strafanzeige, um die erforderliche rechtliche Grundlage für die Steuererklärung bezüglich der verlorenen Kryptowerte zu schaffen.
Warum das Timing entscheidend ist
Das BZSt (Bundeszentralamt für Steuern) nutzt automatisiert gesammelte Transaktionsdatensätze, um die Steuererklärungen von Einzelpersonen mit weltweiten Kryptobörsendaten abzugleichen. Wenn ein Betrug im Zusammenhang mit Kryptowerten auftritt, ist eine abwartende Haltung vonseiten des der geschädigten Person mit erheblichen steuerrechtlichen Risiken verbunden.
GANN Labs baut die forensische Brücke zwischen betrügerischen Verlusten und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Wir sorgen dafür, dass eine finanzielle Tragödie nicht zu einem langwierigen Rechtsstreit mit den Steuerbehörden ausartet.
Der digitale Pfad – ein Stock mit zwei Enden
In Dostoyevsky’s „Die Brüder Karamasow“ warnt der Verteidiger Fetyukovich die Geschworenen mit den berühmten Worten, dass Umstandsbeweise – und die menschliche Psychologie – wie ein „Stock mit zwei Enden“ seien. Fetyukovich zeigt, dass dieselben Umstandsbeweise dazu verwendet werden können, um entweder die absolute Schuld oder die völlige Unschuld eines Menschen zu beweisen, je nachdem, welches Ende des Stocks in die Hand genommen wird.
Die Blockchain ist genau dieser Stock. Für die automatisierten Compliance-Systeme des BZSt (Bundeszentralamt für Steuern) wird ein undokumentierter Abfluss von Kryptowerten mit Argwohn betrachtet. Ohne den richtigen Kontext erzählen die Daten die Geschichte der „Schuld“: eine absichtlich nicht gemeldete Transaktion, eine versteckte Veräußerung oder sogar versuchte Steuerhinterziehung. Wenn man sie jedoch vom anderen Ende her betrachtet, erzählen dieselben Daten die Geschichte der „Unschuld“: ein unfreiwilliger Verlust von Kryptowerten, die Spur eines Betrügers und der unbestreitbare Status eines Opfers.
GANN Labs liefert die forensischen Beweise, um das richtige Ende des Stocks zu ergreifen. Wir wandeln die Erzählung von einem Verdacht auf finanzielles Fehlverhalten in eine nachgewiesene Viktimisierung um. Wir stellen sicher, dass die digitale Aufzeichnung ihrem eigentlichen Zweck dient: der Dokumentation der Geschichte eines Verbrechens und nicht der Geschichte einer steuerpflichtigen Transaktion.
Angesichts automatisierter Compliance-Prüfungen spricht die Wahrheit nicht für sich selbst, sondern erfordert eine sorgfältige forensische Rekonstruktion. Die digitale Spur ist beständig – doch wer definiert ihre Bedeutung?